Bienen auf Wanderschaft

Bienen auf Wanderschaft

Ganz vorsichtig lässt Imker Stephan den Bienenkasten vom Kran ab und setzt ihn sanft auf dem Gras ab. Gestern standen die Bienen noch umgeben von Akazienbäumen – heute umrahmt sie eine Allee aus Lindenbäumen. Sie blühen gerade und als Imker Stephan das Flugloch des Bienenkastens öffnet, geht es auch schon los: Die Bienen fliegen hochmotiviert auf die Lindenblüten zu und beginnen zu sammeln.

Alle an Bord? So läuft einen Wanderung ab:

Gewandert wird immer in die Nacht hinein. Tagsüber fliegen die Bienen und sammeln Nektar. Nachts bleiben sie im Bienenstock. Damit alle Bienen von einem Ort zum nächsten kommen, warten wir ab, bis auch die letzte Biene am Abend zurück in ihren Bienenstock gefunden hat. Dann schließen wir die Bienenkästen, laden sie vorsichtig auf unser Bienenmobil und fahren über Nacht zum nächsten Standort. Das ist am stressfreiesten für die Bienen. Denn nachts ist ihre Aktivität sehr reduziert. Geflogen wird nicht und sie wollen in ihrem Bienenkasten bleiben. Sobald die Sonne aufgeht, stehen die Bienen dann an ihrem neuen Platz und der Bienenkasten wird geöffnet. Es kann wieder geflogen werden!

Bienen sind ihren Blüten treu

Blütenstetigkeit ist das Stichwort: Es bedeutet, dass Bienen nur von den Blüten Nektar sammeln, die gerade blühen und, dass sie sich tatsächlich eine Sorte Blüten aussuchen und dann auch bei dieser Blütensorte bleiben. Eine Biene, die Lindenblüten anfliegt, fliegt also nur Lindenblüten an und keine weitere Pflanzensorte mehr. So können wir Sortenhonig gewinnen. Das schmeckt man dann auch: Rapshonig ist mild, Waldhonig kräftig, Akazienhonig bleibt flüssig und Linde schmeckt minzig.

Immer unterwegs auf der Suche nach der besten Blüte

Um den Bienen immer neue Blüten zur Verfügung zu stellen begeben wir uns mit ihnen mehrmals im Jahr auf Wanderschaft. Nach der Frühjahrsblüte beginnen wir mit der ersten Wanderung in die Akazie nach Brandenburg. Danach geht es in die Kornblume und in die Linde. Für die Lindenblüte wandern wir mit den Bienen nach Leipzig, die Lindenstadt. Hier finden unsere Bienen mitten in einem Park den besonders minzigen Lindenhonig. Und während die einen noch den Nektar der Lindenblüte sammeln, sind andere unserer Bienenvölker in den Kastanienwäldern der Pfalz oder im tiefsten Schwarzwald, um Kastanienhonig und Waldhonig zu sammeln.

Unterwegs im Rhythmus der Natur

Bei allen Blüten ist das Wetter entscheidend: Später Frost oder zu trockene Sommer können zu einer geringen oder gar keinem Nektarfluss führen. So hatten wir zum Beispiel 2026 Frost an unserem Akazienstandort und auch der Wald hat nicht "gehonigt". Mit diesem Risiko muss man in der Landwirtschaft arbeiten, man bewegt sich im Rhythmus der Natur. Das kann manchmal schnell sein, manchmal bremst es aber auch aus. Stephan ist gelernter Gärtnermeister: Er kennt sich in der Pflanzenwelt aus und kann Veränderungen gut erkennen. Das ist ein wichtiger Teil in der Imkerei und hilft uns, unsere Bienen immer genau dorthin zu stellen, wo es für sie am meisten zu sammeln gibt.